Tierrechte und Ableismus

Der Artikel Are Disability Rights and Animal Rights Connected? beschreibt eine thematische Verknüpfung, die ich bis dahin noch nicht kannte: Tierrechte und Ableismus (die Diskriminierung aufgrund von Behinderung).

Körperlichkeiten

Hand und Hund

Sunaura Taylor hat eine angeborene Behinderung, Arthrogryposis. Sie kann beispielsweise ihre Arme nur eingeschränkt einsetzen und benutzt einen elektrischen Rollstuhl. Als Kind wurde sie deswegen mit abwertenden tierischen Atributen versehen: Sie „gehe wie ein Affe“ oder „fresse wie ein Hund“. Mitmenschen nutzen dies, um sie zu degradieren und sie unterzuordnen.

Reduktion

In ihrem Buch „Beasts of Burden: Animal and Disability Liberation“ erklärt Tayloer, dass eine Reduktion auf Körperlichkeit in eine Trennung von „behindert“ und „nicht-behindert“ aber auch von Mensch und Tier resultiert. Eine Unterteilung, die genau betrachtet eigentlich nicht vorhanden oder nur ein vorübergehender Zustand ist. Der Mensch ist auch ein Tier und Alter, Krankheit oder Unfälle können zu einem behinderten Körper führen.

Unterdrückung

Tayler benutzt also das Motiv der Unterdrückung aufgrund eines behinderten oder nicht intakten Körpers, sich für andere unterdrückte aber nichtmenschliche Lebewesen einzusetzen. Sie legt den Fokus auf „Nutztiere“, die ebenfalls vor allem körperlich wahrgenommen werden. Landwirtschaftlich genutzte Tiere sind Ressourcen und Produktionseinheiten.

Fazit

Der Artikel stellt die Verbindung von Diskiminierung, Wertzuschreibung, Körperlichkeit und Tierrechten vor und war für mich ein Einstieg in diese verknüpfte Thematik.

Werbeanzeigen

Aph Ko: Essen ist Macht

Auf der im Mai stattgefundenen Konferenz der European Association for Critical Animal Studies hielt die dekoloniale Theoretikerin Aph Ko den Abschlussvortrag. Für mich ein Höhepunkt der Tagung. In dem Talk gab sie unzählige spannende Einblicke in ihr Denken – und verkündete, dass bald ihr neues Buch erscheinen wird!

2017 veröffentlichte Aph Ko gemeinsam mit ihrer Schwester Syl Ko ihr erstes Buch Aphro-ism: Essays on Pop Culture, Feminism, and Black Veganism from Two Sisters. Die darin enthaltenen Theorien und Beschreibungen haben mich beeindruckt und tiefgehend beeinflusst. Und ihr Vortrag auf der Tagung war genauso augenöffnend.

„Tier“ als Konstrukt

Aph Ko denkt über Tiere nach. In ihrem Denken arbeitet sie heraus, dass „Tier“ ein Konstrukt ist. Tier zu sein, ist nicht nur an eine Spezieszugehörigkeit geknüpft. Auch Menschen wurden und werden als Tiere behandelt oder dargestellt. Und dahinter verbirgt sich immer eine gezielte Abwertung. Genauer: Der Versuch, Macht auszuüben und sich selbst mit weitem Abstand über die Abgewerteten zu stellen.

Menschen essen Tiere. Und Menschen.

Menschen essen Tiere. Dieses Konsumieren ist ein Zeichen von Macht. Da wundert es einen nicht, dass Menschen auch Menschen essen. Ko nennt in ihrem Vortrag das abstoßende Beispiel, dass Weiße Körperteile von gelynchten Schwarzen verzehrt haben. Eine Manifestation der Machtverhältnisse.

Im Herbst soll Kos neues Buch erscheinen. Sie setzt sich darin unter anderem mit weißem Kannibalismus auseinander. Außerdem wird sie die von ihr erschaffene „Aphrozoological Theory“ erklären. Wenn ich es im Vortrag richtig verstanden habe, soll das Buch „Racism as Zoological Witchcraft“ heißen. Ich bin schon jetzt ziemlich gespannt!

„Don’t think through just one movement“ – Aph Ko

Ko gab in ihrem Vortrag noch der Tierrechtsbewegung den Tipp: Denke nicht nur innerhalb deiner eigenen Bewegung! Lies über deine Disziplinen hinweg und verbinde verschiedene Theorien und lerne stetig hinzu. So gehören für Ko zu Animal Studies immer auch Feministische Theorien und Black Theory dazu. Ko empfiehlt beispielsweise die Arbeiten von James Perkinson und Claire Jean Kim.

Bis das neue Buch herauskommt, können Interessierte am 04.06.2019 einen Vortrag von ihrer Schwester Syl Ko im Rahmen der Ringvorlesung Gender Studies meets Human-Animal Studies besuchen. Und natürlich das Buch Aphro-Ism (erneut) lesen.

Das schöne Leben

Die intensive Beschäftigung mit der industriellen Tierhaltung kann anstrengend und kräftezehrend sein. Glücklicherweise zeigt die Fotografin Sammantha Margaret, dass es auch ein Leben ohne (oder nach der) Ausnutzung und Unterdrückung gibt.

Persönlichkeiten

Sammantha Margaret besucht Lebenshöfe auf der ganzen Welt und fotografiert die dort lebenden Tiere. Ihre Bilder sind beeindruckend. Margaret erschafft mit ihren Fotos einen visuellen Raum für Tiere als individuelle Persönlichkeiten. Sie trägt dazu bei, die tierlichen Personen nicht nur als von oben herab schützenswert sondern als inherent wertvoll anzuerkennen.

Auf einer Augenhöhe

Die ach so kitschige Kraft der Bilder entfaltet mit Hilfe ihrer Perspektive eine tatsächliche Wirkung. Zeigt sie Tiere häufig eben nicht im Kontext von Gewalt und Ausbeutung sondern als Lebewesen auf gleicher Augenhöhe. Das hat für viele deutlich attraktivere Anknüpfungspunkte als Bilder, bei denen man sich regelrecht dazu zwingen muss sie anzuschauen.

View this post on Instagram

🌿🐑

A post shared by sammantha margaret (@sfisherx) on

Und letztlich sind die Bilder wirklich schön.